Double-Time und Jugend forsch(t) – das waren die Poppy Open 2026

Samstag wars mal wieder im September, als sich auch die größten Tennis-Enthusiasten in Poppenbüttel so ganz allmählich mit dem nahenden Ende der Sommersaison 2026 auseinanderzusetzen hatten. Doch bevor die Teppich-Puschen ausgegraben und die hektische Suche nach dem verlegten Hallen-Code begann, stand mit den Finals der mittlerweile siebenten Ausgabe der Poppy Open nochmal großer Sport auf roter Asche auf der Agenda.

Poppy Open – vom Mastermind himself, Marius Korsmeier, einst während einer Rotphase an der Ampel erdacht, begonnen mit einer Handvoll Spielern an einem Wochenende, umweht das Format innerhalb des Clubs inzwischen fast schon eine mythische Aura und die Finals sind als innoffizieller Abschluss der Sommersaison ganz fester und etablierter Bestandteil der Tennis-Sparte. Und auch wenn das Turnier und das Abschluss-Event von Jahr zu Jahr größer, aufwändiger organisiert und damit immer etwas „anders“ wurden, so entwickelt sich echte Tradition nur unter Beibehaltung gewisser Eigenheiten, an denen penibel festgehalten und nicht gerüttelt wird; was ist denn, bitte schön, zum Beispiel eine Setzliste?

Die Siegerinnen Janine und Mareike (links) gewannen den Champions-Tiebreak gegen Kathrin und Tine.

Frei nach dem Motto „bleibt alles anders“ vollzogen sich allerdings in diesem Jahr für PO-Verhältnisse fast schon revolutionäre Veränderungen: so transformierten die Damen ihr Turnier kurzerhand in eine Doppel-Konkurrenz und konnten bei einem Tableau, bestehend aus 4 Fünfergruppen, somit insgesamt 40 Spielerinnen die Teilnahme ermöglichen. Auch bei den Herren wurde nun ganz offiziell die Open-Era eingeläutet und das Turnier für alle Spieler geöffnet. 34 Teilnehmer erforderten gewisse arithmetische Klimmzüge, aber der Direktor ist ja nicht aus Zucker: die 8 LK-stärksten durften sich erstmal entspannt einschwingen und das sportliche Treiben von außen bewundern. Der ganz überwiegende Rest duellierte sich in 6 Dreier- und 2 Vierergruppen um insgesamt 16 Tickets für die nächste Runde.

So nahm dann der Sommer seinen Lauf und förderte ganz viel von dem zu Tage, was nun mal echter Poppy Open-Style ist: selbstorganisiertes Spiel unter ganz unterschiedlichen äußeren Bedingungen. Teils früh morgens, teils am späteren Abend. Teils bei fast schon mörderischen Temperaturen, teils mit langer Büx im Nieselregen. Mit oder ohne Support von außen, konspirativ und geheim ohne Zuschauer oder unter sehr reger Anteilnahme auf dem „Einser“. Immer fair jedoch und mit ganz viel Leidenschaft und Spaß aller Beteiligten.

Stichwort Tradition: ein leider bedauerlicher und wiederkehrender Evergreen waren auch in diesem Jahr die verletzungsbedingten Ausfälle, die auch vor prominenten Namen nicht halt machten. Weder Titelverteidigerin Veronica Höppner-Rohder noch der Rekord-Champ, Jannik Bischof, konnten beispielsweise in diesem Sommer in das sportliche Geschehen eingreifen und am nächsten Titelgewinn schrauben. Deutlich zu viele Aktive leisteten den zweien in diesem Jahr Gesellschaft, sodass hier mehr als nur ein kleiner Wermutstropfen vergossen wurde. Aber – getanzt werden kann nun mal nur mit denen, die auch auf der Kirmes aufschlagen, so dass die Situation eben so anzunehmen und damit umzugehen war: während bei den Damen die Plätze 1 und 2 in jeder Gruppe für das Viertelfinale berechtigten, startete bei den Herren nach erfolgtem „ersten“ Achtelfinale eine zweite Auslosung mit den erwähnten 8 Top-Playern zum richtigen Achtelfinale. Mit Jan Beutel gab sich damit einer der ganz Großen erstmals die Ehre und auch die next Gen in Person von Leo Peters meldete zum ersten Mal Ansprüche an.

In beiden Konkurrenzen ergaben sich tolle und spannende KO-Spiele, die das Feld zum großen Tag hin ausdünnten. Am Ende qualifizierten sich bei den Damen die Paarungen Mareike Iseke/Janine Labahn sowie Kathrin Böttcher/Christine Rathjen und damit ein mannschaftsinternes Duell aus den Damen 40 I. Die beiden sportlich besten Herren der Schöpfung waren letztlich Christian Preissner und Leo Peters, und es konnte endlich Samstag im September werden: The Finals…

Was die Turnierdirektion unter der Regie von Marius Korsmeier und Jerome Brych hierfür wieder auf die Beine gestellt hatte, war großes Kino: Terrasse und Geläuf ein Träumchen; der Himmel zwar bedeckt, jedoch gnädig; ein Kuchenbuffet vom Feinsten und erneut Pippo und Team hinterm Tresen. Deutlich über 100 Besucherinnen und Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen und sahen noch viel größeren Sport.

Dass eine große Kulisse mitunter auch einschüchtern kann, merkten die vier Finalistinnen zu Beginn ihres Matches: da klappt leider manches nicht auf Anhieb und der ein oder andere „einfache“ Ball machte ungewollt Bekanntschaft mit Netz oder Zaun. Mareike und Janine schüttelten diese Anfangsnervosität etwas eher ab, „zogen“ den ersten Satz recht deutlich mit 6:1 und profitierten dabei sicherlich auch von einer gewissen Abschlussschwäche ihrer Gegnerinnen, die zu diesem Zeitpunkt beim finalen Punch noch Luft nach oben ließen. Aber auch Kathrin und Tine steigerten sich deutlich und es entwickelte sich ein wirklich großartiges und spannendes Finale von vier Spielerinnen auf Augenhöhe, die sich aus der regelmäßigen Trainingsarbeit kennen und daher extrem auf der Rolle hatten. Mit 6:4 holten sich Kathrin und Tine Satz 2 und der Match-Tie Break musste somit die Entscheidung bringen. Eine ganz enge Kiste bis zum 6:6, und wenn das Pendel dann mal nur ein bisschen ausschlägt, ist kaum noch Zeit, das auszugleichen. So nutzten dann Mareike und Janine ihre letzte starke Phase, zwangen das Spielglück auf ihre Seite und krönten sich zu den ersten Poppy Open-Double Champs: herzlichen Glückwunsch!

Im Anschluss duellierten sich Christiano und Leonardo darum, wer den großen Pott aus den Händen von Vorjahressieger Tim Lafferenz empfangen durfte. Da beide Spieler mit viel Druck, Tempo und Offensivgeist zu Werke gingen, entwickelte sich schnell ein rasantes Spiel mit teils spektakulären Ballwechseln und Punkten auf beiden Seiten. Der Jungspund zeigte zu Beginn überhaupt keine Nerven und führte schnell 3:0 und 5:2. Doch auch Christian hatte an diesem Tag Appetit und verkürzte auf 4:5, ehe Leo das entscheidende Spiel für sich entscheiden konnte. Da dieser auch im zweiten Satz nahtlos daran anknüpfte und dem wacker kämpfenden Christian, der zunehmend mit den Nachwirkungen einer Erkältung zu kämpfen hatte, kaum noch Chancen zur Rückkehr ins Match gewährte, konnte er Satz 2 mit 6:2 gewinnen und damit das Match zu seinen Gunsten entscheiden.

Mit dem erst neunzehnjährigen Leo Peters gewinnt damit verdient ein Junge aus dem eigenen Nachwuchs die Poppy Open 2026, läutet den wichtigen und von vielen gewünschten und geförderten Generationenwechsel ein und beschert der PO-Community einen echten Boris-Becker-Moment 😊: herzlichen Glückwunsch!

Feier bis tief in die Nacht auf unserer SCP-Terrasse

Und sonst noch? Der Champagner war in diesem Jahr zwar aus, aber auch ein MC Röbke kann Mucke und dass Poppenbüttel Party kann, weiß hier eh jeder.

To be continued in 2027.

Text: Donat Tuch