Die Tennisgötter spielen verrückt. Es läuft, läuft und läuft, als beeinflusse eine extrem günstige Sternenkonstellation unser Tennisspiel. Wir gewinnen und gewinnen und gewinnen. Wie war das noch: Alle spielen „Tennis“ und am Ende gewinnt immer „Poppenbüttel“. Wie das passieren konnte, dass wir nun schon dreimal als Siegerteam duschen gehen konnten, wissen wir nicht wirklich. Was unsere Freude aber so gar nicht und überhaupt nicht trübt, denn wir sind eins, ein Team.

Es gibt viele Erklärungsansätze für das „Triple“.

 Vielleicht ist der Kopf freier, wenn man eine Mammutaufgabe zu lösen hat, von der man eigentlich denkt, sie sei nicht zu lösen und auch ehrlich in sich hineingeguckt relativ und ziemlich sicher weiß, dass selbst mit Götterboten der Klassenerhalt schwerlich zu schaffen ist, gegen Oldenburg, Bremen, Stade und all die anderen, die vorne mit „großen Namen und einstelligen LKs aufwarten oder vielleicht gibt es in unserem Team Spielerinnen, von denen wir immer wussten, wie gut sie spielen, aber nicht wirklich, wie gut sie wirklich spielen. Es ist auch denkbar, dass wir die ein oder andere und ihr Tennisspiel unterschätzt oder überschätzt haben. Wie auch immer. Manchmal kommt es dann eben ganz anders als man es sich so denkt. Im Vorhinein. Im stillen Kämmerlein. Im Insgeheim. 

Eigentlich wollten wir nur irgendwie den Klassenerhalt in der Nordliga schaffen und nun sind wir nach drei Spieltagen Tabellenführer und machen uns unter vorgehaltener Hand lustig darüber, was denn dann zu tun sei, wenn es am Ende der Saison bei der Tabellenführung bliebe und wir in die Relegation müssten, denn dort und bei einem“ undenkbaren“ Aufstieg warten vor allem an den vorderen Positionen eventuell noch „wichtigere Namen“ mit noch besseren LKs auf. Wir finden den Gedanken bisher sehr amüsant und witzeln zuweilen darüber. Denn: Es sind einfach in den letzten Jahren zu viele gute Spielerinnen durch Krankheit oder Vereinswechsel „weggebrochen“ oder irgendwie und irgendwo verloren gegangen. Manche fehlen tennistechnisch und menschlich schmerzlich. 

Unsere Punkte holen wir überall, mit Götterboten, mit Teamspirit, manchmal vorn, in der Mitte oder hinten; wie es gerade kommt oder irgendwie passiert. Unser Joker aber ist immer unsere Sechs, die seit Jahren, egal, ob Oberliga, Regionalliga oder Nordliga tatsächlich hinten ((fast)) alles äußerst effizient „wegsliced“, was laufen oder manchmal auch richtig gut Tennisspielen kann.  Verliert sie, reiben wir uns verwundert die Augen, denn wir alle wissen, wie schwer es ist gegen Dunja Punkte zu machen. Andrea, unsere Eins spielt derzeit Traumtennis -  trotz langwieriger Fußverletzung. Technisch wie taktisch. Will man lernen, wie man den Gegner Schachmatt setzt (mit geschickter Feldaufteilung), sollte man ihr beim Matchen zugucken. Auch, wenn der eigene Rückhand-Slice noch zu wünschen übriglässt, wenn man tödliche Vorhand-Cross-Bälle sehen will, nachdem der Gegner in der Rückhand festgesetzt wurde. Kommt und guckt es euch an. Wir brauchen viele Zuschauer, die uns zum vierten Sieg verhelfen, denn wir können nicht allein auf die Götter vertrauen. Gegen Bremen brauchen wir wirklich Antreiber, Clubkameraden, die uns anfeuern und unterstützen. Das Spiel beginnt um 13 Uhr am Samstag auf unserer Anlage. 

An Position 2 spielt Susanne.  Auch ihr Tennis ist eine Augenweide. Am liebsten würde sie wohl Damen 50 spielen, wir werden sie aber nicht ziehen lassen, denn was wären wir ohne sie. Ja, was?  Nichts! Es ist nicht leicht mit über 50 (sind wir fast alle) oder sogar Mitte 50 in den hinterletzten Ecken des Platzes Bälle auszugraben, wenn die Gegnerinnen oft gerade mal 40 sind, noch im besten Tennisalter und rennen, als gäbe es kein Morgen oder Übermorgen. Dort Punkte zu machen ist eine undankbare Position, weil an 2 auch manches Mal die heimliche 1 spielt. Einzig Rabea, unser „Küken-Neuzugang“ kann noch so richtig rennen und damit und mit ihrem gnadenlosen, kompromisslosen Spiel fährt sie viele Siege ein. Vielleicht haben die Götter sie geschickt, denn ohne ihre wertvollen Punkte wäre es wohl nichts mit der Tabellenführung. Kerstin (3) hat eine fiese chronische Schulterverletzung und kann nur noch von unten aufschlagen. Ein Riesenhandicap, das die Gegnerin immer wieder zu Beginn eines jeden Ballwechsels in eine gute und bessere Position bringt. Keine leichte Aufgabe. Versuchen Sie mal ein Match mit einem Aufschlag von unten zu gewinnen. Kerstin meistert das oft. Mit langjähriger Erfahrung, ausdauernd, fokussiert, zäh und hartnäckig. Großartig finden wir! Wir brauchen wirklich immer jeden Punkt um ein Punktspiel überhaupt gewinnen zu können; und immer ist es eine Zitterpartie. 

Auch Cathrin und Maike (4 und 5) schaffen es häufig ein Match offen zu gestalten oder sogar mal zu gewinnen. Zumeist stehen ihnen raffinierte und spielstarke Gegnerinnen gegenüber. Es ist in dieser Saison für alle schwierig den Kopf freizubekommen und zu spielen, was man eigentlich draufhat abzurufen und auf den Platz zu bringen, denn der Druck, den wir alle verspüren, ist in diesem Jahr immer hoch, denn wir haben keine Mannschaft mehr, die in der Nordliga spielerisch und leichtfüßig gewinnen kann. Wir müssen uns wirklich – wie gesagt- jeden Punkt (Punkt für Punkt) erarbeiten. 

Bei den Doppeln läuft und läuft und läuft es auch. Wir haben aber auch wirklich ausgebufft aufgestellt. Einige von uns spielen besser Einzel als Doppel, was das Aufstellen nicht leichter macht. Auch haben wir bei sieben Spielerinnen nicht allzu viele Optionen. Da mussten wir zweimal unsere Langzeitkranken Gabi und Patricia ins Doppel stellen. Das war wohl oder vielleicht schlau - man weiß nicht, wie es ohne sie gelaufen wäre -  es hat uns vielleicht einmal oder sogar zweimal zum 5:4 verholfen. Spekulationen. Die beiden haben helfen wollen. Wie auch immer. Maike und Cathrin haben in der Mitte ein sensationelles Doppel gespielt und den wichtigen Punkt eingefahren. 

Das mit den Tennisgöttern ist natürlich Quatsch und wir glauben auch nicht wirklich an Sternkonstellationen. Wir haben nicht einmal einen Mannschaftstalisman. Der Gedanke kam nur beim Textschreiben auf, weil wir derzeit so viel „Dusel“ haben und Götter definitiv auch durch Texte führen können!  Aber mal ehrlich, so absurd der Gedanke auch ist, an Tennisgötter zu glauben, der Glaube von ihnen behütet auf den Platz zu gehen, könnte doch vielleicht kraftgebend sein. Schließlich sind positive Gedanken hilfreicher als Schwarzmalerei.    

Autorin: Patricia Kaufmann     

      

 

   
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